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2017 - 2019


- Schreier-Büste steht wieder in Kreischa

- Abschied von Theo Adam
- Der Weltsachse

- Edda Moser und Peter Schreier plaudern aus Karriere-Nähkästchen
- Peter Schreier in Gotha
- Meisterkurs hat begonnen
- Peter Schreier gestohlen
- Sofort Feuer und Flamme
- Bronzebüste für Star-Tenor
- „Jetzt mach’ ich auf Sprecher“
- Musikalischer Lichtblick in der Fastenzeit
- Peter Schreier und ein neuer Mozart



- Archiv(e)








Sächsische.de27.2.2019
Schreier-Büste steht wieder in Kreischa

Diebe hatten das Abbild des Opernsängers gestohlen. Von Tätern und Kunstwerk fehlt jede Spur. Dafür gibt’s jetzt Ersatz.

Lange stand der Basaltsockel verwaist im Kreischaer Kurpark. Im August 2018 hatten Unbekannte über Nacht die Bronzebüste vom ehemaligen Star-Tenor Peter Schreier gestohlen. Ihr Wert wurde auf rund 10 000 Euro geschätzt. Doch die Polizei hatte damals vor Ort keine Spuren finden können. Auch ein öffentlicher Zeugenaufruf blieb bisher ohne Ergebnis. Die Akte sei aber noch offen, teilt Polizeisprecher Lukas Reumund auf Nachfrage mit. Die Staatsanwaltschaft habe übernommen.

Ratlos war auch Bildhauer Hans Kazzer. Über ein Jahr hat er an der Büste gearbeitet, bis sie zur zehnten Schumanniade im Juni 2018 ganz in der Nähe des Kreischaer Rathauses aufgestellt worden war. Doch nur sieben Wochen nach ihrer Einweihung, war sie weg. „Wer stiehlt so ein Objekt und warum“, fragt sich Kazzer auch heute noch. Um das Material kann es den Dieben wohl kaum gegangen sein, mutmaßt er. Denn dessen alleiniger Wert sei nicht so hoch gewesen. Umso mehr freut es den Künstler, dass die Büste inzwischen wieder an ihrem Platz steht. Auch Peter Schreier sei darüber sehr glücklich, sagt Kazzer. Dass das möglich geworden ist, verdanken Bildhauer und Kunst- und Kulturverein „Robert Schuhmann“ einem Spender. Öffentlich genannt werden, wolle dieser aber nicht, heißt es aus dem Kulturverein. Noch im vergangenen Jahr konnte Kazzer so eine neue Büste gießen lassen. „Bei dieser ist die Patina fast noch schöner gelungen als bei der ersten“, freut er sich. Um einem neuerlichen Diebstahl oder Vandalismus vorzubeugen, hat Hans Kazzer das Kunstwerk mit 30 Zentimeter langen Schrauben, die zudem auch in speziellen Zement gegossen wurden, fest auf dem Sockel verankert. „Die Büste müsste nun sicher sein. Die bekommt man nur noch mit schwerem Gerät ab“, bekräftigt er.


TAG24/Dresden
19.01.2019
Abscheid von Theo Adam
Peter Schreier sprach mit TAG24 über den verstorbenen Kämmersänger Theo Adam (1926-2019)
Von Guido Glaner


Dresden. Familie, Freunde und Musikerkollegen haben Abschied von Kammersänger Theo Adam genommen. Der Bassbariton, der in Wagner-Partien, Mozart- und Strauss-Rollen Weltgeltung erlangte, war vor gut einer Woche im Alter von 92 Jahren gestorben. Mitglieder des Dresdner Kreuzchors, dem auch Adam einst angehört hatte, sangen Bach. Ein Enkel und der Bassbariton Florian Hartfiel trugen ein oft mit dem Großvater gesungenes Schubert-Lied vor.
[…] Dem Verstorbenen erwiesen auch prominente Kollegen wie Pianist Peter Rösel, Dirigent Hartmut Haenchen und Peter Schreier die letzte Ehre. Der Tenor erinnert sich im TAG24-Gespräch an den Künstler, Mensch und engen Freund.

"Keiner war so selbstlos wie er"
TAG24: Herr Schreier, Theo Adam und Sie, wie haben Sie sich kennengelernt?
Peter Schreier: Das war 1945 im Kreuzchor. Ich war damals zehn Jahre alt. Theo war im Kreuzchor gewesen, bevor er vom Militär eingezogen wurde. Etwa zu der Zeit, als ich in den Chor eintrat, kam er als Spätheimkehrer zurück. Damals sind wir in Verbindung gekommen. Später haben wir oft gemeinsame Konzerte gesungen und wurden dabei Freunde.
TAG24: Theo Adam war neun Jahre älter als Sie. War er Ihnen ein Vorbild?
Schreier: Ja, absolut. Als Sänger und als Persönlichkeit. Er hat uns jungen Sängern, also nicht nur mir allein, sehr geholfen. Er gab uns künstlerische Ratschläge und öffnete uns Wege, Karrierewege, zum Beispiel indem er uns über seine Kontakte zu Engagements verhalf. Er war selbstlos darin, andere zu unterstützen.

TAG24: Sie wohnten Luftlinie nicht weit auseinander. Wie eng war Ihre Freundschaft, wie oft haben Sie sich getroffen?
Schreier: Wir waren sehr oft zusammen. Es waren viele private, sehr persönliche Kontakte, die auch unsere Familien einbezogen haben. Auch beruflich waren wir immer wieder eng beieinander. Berufliches und Privates ging nahtlos ineinander über.
TAG24: Gab es gemeinsame Rituale zwischen Ihnen?
Schreier: Es war eher etwas Familiäres, nämlich die Beziehungen zwischen ihm und meinen Kindern. Er war für sie der große Onkel. Und er war ein großartiger Onkel. Die Kinder hingen wirklich sehr an ihm.

TAG24:
Was war aus Ihrer Sicht Theo Adams hervorragendste Eigenschaft – künstlerisch und menschlich?
Schreier: Menschlich auf jeden Fall die Selbstlosigkeit, dieses völlig uneitle Verhalten, wenn es darum ging, anderen zu helfen. Ich kann wohl sagen, dass ich nie wieder einen Kollegen getroffen habe, der sich so selbstlos verhalten hat wie Theo. So etwas wie Konkurrenzdenken kannte er nicht. Er war solchen Dingen einfach überlegen. Das war wirkliche menschliche Größe. Musikalisch war es dieser unbedingte Gestaltungswille in Sprache und Tongebung, der ihn von anderen unterschied. Bei einem Lied oder eine Opernarie muss etwas erzählt werden, das ist unsere Aufgabe als Sänger. Theo hat sie vorbildlich ausgefüllt. So etwas wie verwaschene Konsonanten gab es nicht bei ihm, seine Artikulation war einzigartig. Das Singen war seine Berufung, meine ich, und diese Berufung hat er voll ausgelebt.

TAG24: Theo Adam ist im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Können Sie sich damit versöhnen?
Schreier: Leider war es so, dass das Leben für ihn seit längerer Zeit nicht mehr lebenswert war. Die Nachricht von seinem Tod kam für uns, meine Frau und mich, nicht unvorbereitet und hat uns doch überrascht. Es ist wohl gut so, wie es jetzt ist, aber traurig sind wir doch.




Der Spiegel
21.12.2018
Der Weltsache

Der Tenor Peter Schreier war einer der wenigen internationalen Stars der DDR. Ein Gespräch über ein Leben zwischen den Welten, seine Heimatstadt Dresden, über Pegida und den Kult um Weihnachten.
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MZ-Web
13.10.2018
Edda Moser und Peter Schreier plaudern aus Karriere-Nähkästchen

Bad Lauchstädt. Wenn sich alte Bekannte treffen, gibt es viel zu erzählen. Handelt es sich dabei um Stars, bekommt die Angelegenheit zusätzlich Glanz. So ist es kein Wunder, dass der Festsaal der Kuranlagen in Bad Lauchstädt an einem gewöhnlichen Wochentag nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt ist, als Edda Moser und Peter Schreier auf dem Podium Platz nehmen. [….]
Der Moderator hat Hörbeispiele auch von Peter Schreier mitgebracht. Der sang 1950, als 15-Jähriger, die Arie „Es ist vollbracht“ aus Bachs Johannes-Passion. Als der wunderbar klare Knaben-Alt nun, 68 Jahre nach der Aufnahme, erklingt, könnte man im Saal die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören.

Man müsste schon sehr hartgesotten sein, käme einen nicht Rührung an, während man den Sänger beim Hören seiner eigenen Stimme beobachtet. Da zieht seine ganze, riesige Karriere an ihm vorbei, Andacht und Glück spiegeln sich in seinem Gesicht, vielleicht auch ein bisschen Wehmut. Und große Dankbarkeit.[...]

Edda Moser & Peter Schreier, Okt.2018. Fotp: Peter Wölk

Und dann bekennt der 83-Jährige, der einer der wichtigsten Exportschlager der DDR gewesen ist: „Ich habe damals natürlich keine Ahnung gehabt, worum es hier geht.“ In diesem einen Punkt mag man ihm nicht glauben - gefühlt muss er schon haben, was die Passion bedeutet. Sonst hätte er das nicht so singen können.[...]
Andreas Montag




Gotha.thueringer-allgemeine
08.10.2018
Peter Schreier in Gotha
Ein weltberühmter Sänger berichtet aus seinem Künstlerleben

Gotha. An die bewegte Geschichte des Ekhof-Theaters im Schloss Friedenstein in Gotha und seine Wiedereröffnung vor 50 Jahren erinnerte Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) am späten Freitagnachmittag, danach bat er den Stargast auf die Bühne: Kammersänger Peter Schreier aus Dresden. Der einst für seine Stimme berühmte, international gefeierte Tenor, mittlerweile 83 Jahre alt, war einst mehrfach hier aufgetreten, und nun ließ er das Publikum an seinen künstlerischen Lebenserinnerungen teilhaben.

Unübersehbar körperlich gebrechlich, nahm er mühsam am barocken Tischchen mit der antiken Leselampe Platz. Zwar war eine Lesung angekündigt, doch wohlweislich sprach er lieber frei: Trotz Leselupe gelang es ihm nur mühsam, einige wenige Zeilen aus seinen Büchern zu entziffern. Hin und wieder eingeschränkt durch Wortfindungsstörungen, sprach er ein wenig stockend. Doch was er sagte, zeugte von einem immer noch sehr wachen Geist.


Peter Schreier in Gotha, Okt.18

Als Kruzianer unter Rudolf Mauersberger hegte er früh den Wunsch, Musiker zu werden – Kapellmeister. Doch Mauersberger riet ihm: Werde Sänger! Dann jedoch, 18-jährig, brach er in Bachs Matthäus-Passion als Evangelist fürchterlich ein – vor mehr als 3000 Hörern! Ein anderer hätte vielleicht das Handtuch geworfen. Für Schreier hieß das: Nun erst recht! Er begann ein Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule. „Das führte mich auf den Boden der Tatsachen zurück“, sagte er, „ich bekam eine neue Einstellung zum Beruf des Sängers.“
Das bedeutete aber, sich keine stimmlichen Eskapaden zu leisten, zu lernen, mit Konkurrenz umzugehen, und „in seinem Körper eine seelische Grundlage zu schaffen, um jederzeit diesen Beruf ausüben zu können“. Bald begann Schreier zusätzlich mit dem Kapellmeisterstudium. Gleichzeitig konzentrierte er, der lyrische Tenor, der auf der Opernbühne schon recht erfolgreich war, sich mehr auf den Liedgesang, eine ganz eigene musikalische Spezies. Nach Fritz Wunderlichs Unfalltod trat er unter Karajan zu den Salzburger Festspielen auf – 25 Jahre lang ununterbrochen.

Zwischendurch erklangen einige Musikbeispiele: Die Bildnis-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“, zwei Lieder aus Schuberts „Winterreise“, das schlicht-innige „All mein‘ Gedanken“ und die Arie „Un‘ aura amarosa“ (Der Atem der Liebe) aus Mozarts „Cosi fan tutte“.

Seine Interpretation des Schubert’schen „Lindenbaums“, in ungewöhnlich langsamem Tempo vorgetragen und von dem genialen russischen Pianisten Swjatoslaw Richter höchst einfühlsam begleitet, dürfte angesichts des menschlich tief lotenden Ausdrucks noch heute ein unerreichtes musikalisches Unikat darstellen. Dessen ist sich Schreier durchaus bewusst. Nur mit dem richtigen Begleiter, meint er, sei man in der Lage, „mehr als nur schön“ zu singen und eine unverwechselbare Glaubwürdigkeit der Interpretation zu erreichen. Manchmal, glaubt er, neige Operngesang zur Oberflächlichkeit: „Da muss der Sänger tun, was der Regisseur sagt.“ Und kann nicht, wie im Liedgesang, seinem Herzen folgen. Zumal in großen Sälen, da gelte zu oft der Grundsatz „Je lauter, desto besser“. Auf die gleiche qualitative Höhe wie den Liedgesang stellt Schreier übrigens die Rolle des Evangelisten in Bachs großen Oratorien – dafür sorge aber schon der Komponist.
Der Stargast ist fertig. Eben noch erklang „Der Wegweiser“ aus der „Winterreise“: „Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück ...“ Peter Schreier weiß, was er damals sang. Und das Publikum ahnt es.
- Dieter Albrecht





Mendelssohn-Haus Leipzig
04.09.2018
Meisterkurs hat begonnen

Peter Schreier, Mendelssohnhaus Leipzig, 0918


Vom 3. bis 6. September arbeiten 5 junge Sängerinnen und Sänger unter der kompetenten und gestrengen Anleitung von KS Prof. Peter Schreier an der Interpretation der Lieder von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy. Es ist Unterricht und dennoch vergnüglich, die Feinheiten der ausgewählten Stücke herauszufeilen. [.....] Am 6. September, 19.30 Uhr, stellen die Akademisten ihre Kursergebnisse im Konzert in der Reformierten Kirche in Leipzig vor. (Facebook)




Sächsische Zeitung
08.08.2018
Peter Schreier gestohlen
In Kreischa ist die bronzene Büste des Dresdner Opernsängers verschwunden. Die Polizei sucht nun Zeugen.

Kreischa. Nicht einmal sieben Wochen ist es her, als dem weltberühmter Dresdner Tenor Peter Schreier eine Büste gewidmet wurde. Am 23. Juni war die vom Kreischaer Bildhauer Hans Kazzer geschaffene Bronze im Kurpark an der Dresdner Straße eingeweiht worden. Nun ist sie weg – gestohlen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Unbekannte Diebe haben zwischen Montagabend und Dienstagmorgen 8 Uhr im Kreischaer Kurpark die Bronzebüste vom ehemaligen Star-Tenor gestohlen. Die Büste sei mindestens 25 Kilogramm schwer und habe einen Wert von rund 10 000 Euro. Der Sockel sei noch da.

Büste Peter Schreier

Künstler Hans Kazzer ist fassungslos angesichts des dreisten Diebstahls: „Da mag ich gar nicht drüber nachdenken“, sagt er. Auch Schreier selbst könne die Tat kaum fassen. Rund ein Jahr habe es gedauert, bis die Büste endgültig fertig war. Immer mal wieder habe er daran gearbeitet, erklärt der Bildhauer aus dem Ortsteil Lungkwitz. Schreier selbst sei bei Kazzer in der Wohnung gewesen, zusammen hätten sie letzte kleine Veränderungen vorgenommen.

Die Büste war im Rahmen der zehnten Schumanniade unweit des Rathauses aufgestellt worden. Schreier hat dieses Jahr als Leiter der Reihe mit Konzerten und Liederabenden aufgehört. Die Veranstalter vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischaer und Kazzer wollten sich mit der Büste bei dem 83-jährigen Dresdner für sein Engagement bedanken.

Schreier-Einweihung-Bueste
Renate und Peter Schreier mit Wolfgang Bergner (Schumanniade), Juni 2018

„Der Diebstahl ist sehr bedauerlich. Es ist nicht nachzuvollziehen, welche niederen Beweggründe man haben muss, um das zu tun“, sagt Bürgermeister Frank Schöning (FBK). Die Diebe hätten Kazzer zufolge womöglich auch versucht, seine Schumann-Büste im Kurpark zu stehlen. „Die ist aber viel zu schwer“, erklärt der Künstler. Er hofft, dass die Schreier-Büste wieder auftaucht.



Sächsische Zeitung
21.06.2018
Sofort Feuer und Flamme
Schumanniade in Kreischa und Reinhardtsgrimma beginnt. Für einen früheren Startenor endet dann eine Ära.
Von Stephan Klingbeil


Kreischa/Reinhardtsgrimma. Es wird ein Abschied nach fast zwei Jahrzehnten. Mit der am Freitag beginnenden zehnten Schumanniade hört der ehemalige Startenor Peter Schreier als künstlerische Leiter dieses dreitägigen Musikfestivals in Kreischa und Reinhardtsgrimma auf. Ehe sein Nachfolger Olaf Bär das Ruder übernimmt, will der 82-jährige Kammersänger aus Dresden sogar noch ein letztes Mal selbst bei der Schumanniade auftreten.
Mit seinem Freund, dem weltbekannten Pianisten Sir András Schiff, interpretiert er zum Abschluss bei der Matinee am Sonntag im Schloss Reinhardtsgrimma als Sprecher die Davidsbündlertänze vom jungen Robert Schumann – nach Melodramen von Friedrich Hebbel. Schreier freut sich auf diese, wie er sagt, „Herausforderung“.
„Die Matinee ist aber schon ausverkauft“, erklärt indes Iris Dill vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa, der die Konzertreihe organisiert. Anders sehe es bei den beiden weiteren Veranstaltungen der Schumanniade aus.
[…]
Künstler vom Weltformat traten bereits viele, auch mehrmals, bei Schumanniaden auf. Aus Österreich, Japan, England oder auch Norwegen reisten sie an und sorgten ebenfalls dafür, dass Kreischa in der Musikwelt ein Begriff geworden ist. Sie folgten stets dem Ruf von Schreier. Die Schumanniade ist eng mit dem Ehrenvorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins verbunden.
Der langjährige Kammersänger und Dirigent hat ein Wochenendhaus im Ortsteil Lungkwitz und weilte bereits 1994 regelmäßig dort. Damals hatte sich der Kunst- und Kulturverein gegründet, um dem kulturellen Leben in Kreischa mehr Schwung zu verpassen. Seither organisiert Verein unter anderem eine eigene Konzertreihe in den Ortsteilen Kreischa, Quohren und Saida, die Nachfolgeveranstaltungen der beliebten Seniorennachmittage. Und der Chor des Vereins tritt regelmäßig auf, auch mit anderen Gesangsgruppen.

Über den Nachbarn zum Verein
Als es im Mai 1849 zum Dresdner Aufstand kam, floh der aus Zwickau stammende Komponist mit seiner Familie nach Maxen auf das Rittergut von Freunden. Doch das Gebaren dorthin geflüchteter Aristokraten soll für Schumann zu viel gewesen sein. So zog der damals 38-Jährige samt Familie weiter ins nahe Bad Kreischa. Dort fand er Ruhe zum Komponieren. In den folgenden Wochen komponierte er mehrere Stücke. Vor allem diese Werke wurden bei der Schumanniade gespielt – und werden es sicher auch noch nach dem Ausscheiden von Schreier unter Olaf Bär. Im Verein geht man davon aus, dass der 60-jährige Schumann-Preis-Träger und Professor an der Hochschule für Musik in Dresden als neuer künstlerischer Leiter am bewährten jetzigen Konzept anknüpfen wird. Der zweijährige Rhythmus soll wohl beibehalten werden. Nur einmal, aufgrund des 200. Geburtstags des Namenspatrons pausierte das Festival mal drei Jahre, damit es im Jubiläumsjahr 2010 stattfinden konnte.

1999 feierte die Schumanniade Premiere. Schreiers Vision wurde Realität. Der frühere Startenor kam am 28. Februar 1995 über seinen Nachbarn aus Lungkwitz, dem Violinisten und Vorstand Martin Schneider-Marfeld, zum Verein. Er erzählte von der Schubertiade Feldkirch und und seiner Idee der Schumanniade in Kreischa. „Wir waren sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Dorothea Konrad. Noch am selben Abend wurde Schreier Vereinsmitglied.
Das Musikfestival erlangte rasch internationale Bekanntheit. Regelmäßig waren die Konzerte ausverkauft. „Einmal war es bei einem Auftritt von Herrn Schreier rappelvoll und es wollten immer mehr Leute dabei sein, dass wir Vereinsmitglieder unsere Plätze geopfert, also abgegeben haben“, sagt Dorothea Konrad. Auch dieses Jahr locke die Schumanniade wieder viele Klassikliebhaber, darunter auch Gäste von den Schumann-Vereinen aus Leipzig und Zwickau, für ein paar Tage nach Kreischa.
Nicht wenige der Besucher werden sich am Sonnabend um 18 Uhr im Kurpark versammeln. Denn dann wird dort eine Büste von Peter Schreier enthüllt. Neben dem Schöpfer Hans Kazzer will unter anderem auch der Startenor selbst mit vor Ort sein.



Sächsische Zeitung
02.06.2018
Bronzebüste für Star-Tenor
Peter Schreier hört als Leiter der Schumanniade in Kreischa auf. Zu seinem Abschied erhält er eine ganz besondere Ehrung.
Von Stephan Klingbeil

Kreischa.  Der ehemalige Star-Tenor und Dirigent Peter Schreier aus Dresden hört als Leiter der Kreischaer Schumanniade auf. Das Fest, das an die kreativen Aufenthalte des Komponistenpaares Clara und Robert Schumann in der Region erinnert, findet vom 22. bis 24. Juni statt. Es ist die zehnte Auflage der Reihe mit Konzerten und Liederabenden auf Schloss Reinhardtsgrimma und Kreischaer Kirche. Die Leitung übernimmt fortan der Dresdner Kammersänger und Professor Olaf Bär. Zum Abschied wird Schreier aber noch eine ganz besondere Ehre zuteil. Ihm wird eine Büste gewidmet.

Sie wurde vom Kreischaer Bildhauer Hans Kazzer geschaffen und wird am 23. Juni ab 18 Uhr, im Beisein des 82-jährigen Opernsängers im Kreischaer Kurpark eingeweiht. Von Kazzer stammt bereits die dortige Schumann-Büste. Das neue Kunstwerk soll nun nahe des Rathauses auf einer Wiese aufgestellt werden. Laut Gemeindeverwaltung ist die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde auch erteilt. Die Festveranstalter vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa und Kazzer selbst wollen sich mit der Büste bei Schreier für sein Engagement bedanken.



Sächsische Zeitung 01.06.2018
„Jetzt mach’ ich auf Sprecher“
Peter Schreier lag lange auf der Intensivstation. Nun rappelt er sich wieder hoch und tritt bei seinem Schumann-Fest auf.
Von Bernd Klempnow

„Ich lass mich immer wieder zu Auftritten überreden. Aber eigentlich brauche ich die Zeit für meine Gärten in Dresden und Kreischa“, sagt Peter Schreier. Und eigentlich müsste er erst einmal seinen Rücken kurieren.

Peter Schreier 2018
© Ronald Bonß

Peter Schreier hat Humor. „Ich lag im Frühjahr mit dieser fiesen Grippe vier Wochen auf der Intensivstation“, sagt der 82-Jährige. „Es stand offenbar auf Kippe, denn verdächtig viele Leute besuchten mich. Noch mal Schreier sehen! Aber so einen Abgang wollte ich nicht.“ Also rappelte er sich wieder hoch. Gerade kommt er von der medizinischen Kur in Kreischa. Mithilfe der Kunst will er sich in Kreischa und Reinhardtsgrimma noch weiter aufpäppeln. Er leitet dort die 10. Schumanniade, die vom 22. bis 24. Juni stattfindet. Das kleine Fest soll an die ungemein kreativen Aufenthalte von Clara und Robert Schumann in der Region 1849 erinnern. Das Besondere des diesjährigen Festivals: Der Musiker, der sich als Sänger Ende 2005 und eigentlich auch als Dirigent von der Bühne verabschiedet hatte, tritt beim Abschlusskonzert noch einmal auf – als Sprecher.

„Ich weiß, was Sie jetzt denken“, sagt er: „Der Alte kann nicht mehr singen, also macht er auf Sprecher.“ Er wollte eigentlich keinen Auftritt mehr, „weil das doch immer eine Belastung ist“. Dabei sind es nicht die Nerven, die flattern. Peter Schreier hat seit Jahren mit dem Rücken Probleme. Kein Arzt konnte ihm bisher helfen. Medikamente tun es auch nur bedingt. Morgens braucht er derzeit Stunden, um in die Gänge zu kommen. Aber er sagt: „Ich bin kein Typ, der so ’ne Sachen auslebt. Gehenlassen gibt es bei mir nicht.“

„Ich verbeuge mich vor den Damen“
Sein Freund, der Starpianist Sir András Schiff, weiß um diese Stehauf-Qualitäten. Er, der sonst in Metropolen spielt und nur Schreier zuliebe immer wieder ins Schloss Reinhardtsgrimma kommt, wünschte sich für die Schumanniade dieses letzte gemeinsame Duo. Sie interpretieren die Davidsbündlertänze vom jungen Robert nach Melodramen von Friedrich Hebbel. Die Texte kann Schreier nicht frei nach Belieben sprechen, sie sind in den Klavierstücken rhythmisch präzise vorgegeben. Das sei eine Herausforderung. „Ich freue mich auf die Schumanniade, weil ich wieder mal ein bisschen mehr von der musikalischen Welt mitkriege.“

Der ehemalige Kruzianer und einst über Jahrzehnte weltweit gefeierte Tenor hat für sich selbst wie fürs Festival Neues entdeckt – nämlich Lieder von Clara Schumann, Fanny Mendelssohn und Pauline Viarot. Die Sopranistin Miriam Alexandra gab den Tipp und wird sie im Eröffnungskonzert singen.

Diese Kompositionen vor allem von Pauline Viarot (1821 – 1910), die eine der vielseitigsten Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts war, offenbarten Schreier ein musikalisches Genie. „Ihre Lieder fühlen sich an wie die von Hugo Wolf. Diese Farben, diese Kraft.“ Es sei unglaublich, dass diese Frau, die von Richard Wagner wie Theodor Storm geschätzt worden war und der Camille Saint-Saëns seine Oper „Samson et Dalila“ gewidmet hatte, nicht populärer sei. Nur Insider würden ihren Namen kennen. Doch auch, was von Clara und Fanny zu hören sein wird, dürfte für viele neu sein. Man habe diese Lieder damals offiziell einfach Robert und Felix zugeschrieben – die „Damen wurden verleugnet, umso mehr verbeuge ich mich vor ihnen“.

Zudem freut sich Schreier, dass die „fantastischen Hornisten der Sächsischen Staatskapelle“ das Schumann-Konzert für zwei Klaviere und vier Hörner F-Dur spielen. Es gehört zu den Lieblingsstücken des Kammersängers.

So ist das Programm dieser Ehrung wieder abwechslungsreich und doch ganz speziell. Als Bilanz seiner bislang zehn Festivals sagt Schreier: „Es hat sich gelohnt, den Komponisten (1810 – 1856) in Beziehung zu der Region, wo er viele Hauptwerke geschaffen hat, in den Vordergrund zu stellen.“ Alle zwei Jahre geschah das. Die Schumanniade bei Dresden ist das kleinste Festival für den Schöpfer der „Frühlingssinfonie“ und von gut 150 Liedern. Aber es bot stets Feinheiten von höchster Qualität.

Zum letzten Mal lädt Peter Schreier dazu ein. Er gibt die Leitung der Schumanniade an den Dresdner Kammersänger und Lied-Professor Olaf Bär ab. „Ich tue das lieber rechtzeitig, so wie ich es auch als Sänger getan habe. Zu viele treten erst nach dem Zenit ab.“
Der 60-jährige Bariton Bär ist Schreiers erste Wahl. „Er ist eine Persönlichkeit, die Robert Schumann sehr verbunden ist. Zudem: Wir haben auch musikalisch gern zusammengearbeitet.“
Und dann? Wird es nicht langweilig ohne Auftritte und Termine? „Nein, ich bin gern faul. Außerdem habe ich jetzt Zeit, mich mit CDs und DVDs zu beschäftigen.“ Mehrere Tausend hat er im Musikzimmer seines Hauses am Elbhang von Loschwitz. Und immer wieder kommen welche mit ihm selbst hinzu.

„Mein Fernziel ist der Willisch“
Gerade ist in Japan eine neue CD erschienen, die Material „kreuz die quer durch den Liederwald“ von Beethoven bis Mozart und eine Live-Aufnahme der schumann’schen „Dichterliebe“ vom 16. Oktober 1996 im Metropolitan Theatre Tokio bietet. Es begleitet am Klavier der langjährige Schreier-Pianist Helmut Deutsch. Im Internet ist die Doppel-CD erhältlich. „Erstaunlich finde ich, dass die Nachfrage nach meinen Sachen immer noch da ist. Ich bin doch schon so lange weg. Andererseits freut es mich, wenn ich im Gedächtnis der Leute bin.“

Mancher Musikfreund wird ihn auch anders gut in Erinnerung haben. Der Ausnahmekünstler räumt auf und verschenkt an Studenten seine Partituren. Nur drei Komponisten bleiben unangetastet. Die Lieblinge Bach, Mozart und Pfitzner. Pfitzner? „Ja, ich habe doch dessen Palestrina gesungen – ein fantastisches Werk. Leider wird Pfitzner nicht so oft gespielt. Er hätte es verdient.“ Die Einspielung unter Otmar Suitner und mit Künstlern der Berliner Staatsoper von 1986 gilt unverändert als Referenzaufnahme, so wie Schreier meisterlich gestaltet.

Wenn der alte Dresdner von Musik erzählt, dann vergisst er die Schmerzen. Und wenn er schwimmt. Jeden Tag zieht er seine Bahnen. Schreier kämpft. Nach der Schumanniade fährt er noch einmal zur Kur. In Meckpom soll es eine Spezialeinrichtung für Rückenleiden geben. „Mein Ziel ist es, wieder auf den Willisch bei Kreischa zu steigen. So, wie ich es früher zweimal im Jahr gemacht habe. Nirgends kann der Blick so herrlich über die wellige Landschaft des Osterzgebirges und Erzgebirgsvorlandes schweifen wie dort oben: schöne sächsische Heimat.“
Infos/Karten auf www.schumanniade.com




LVZ
26.02.2018
Musikalischer Lichtblick in der Fastenzeit
Der Sächsische Kammerchor glänzt in der Thomaskirche mit der Johannespassion unter Peter Schreier
Von Katharina Stork

Kurz nach Beginn der Fastenzeit wagen sich schon wieder die ersten Ausblicke auf den Karfreitag und dem Ende der enthaltsamen Wochen auf die Veranstaltungspläne. Das Leiden Christi findet seine musikalische Verwertung unter anderen in der Johannespassion von Johann Sebastian Bach, die am Samstagabend in der Leipziger Thomaskirche zu hören war. Der Sächsische Kammerchor (Einstudierung: Fabian Enders) mit orchestraler Unterstützung der  Mitteldeutschen Virtuosen konnte erneut seine außerordentliche Bachkompetenzunter der Leitung von niemand geringerem als Kammersänger Peter Schreier beweisen.


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Sitzend entlockt der Dirigent dem Chor, bestehend aus Studierenden der Musikhochschule und Absolventen der des Thomaschores, den ersten glasklaren Ton. Den Gehstock hat Schreier vor Betreten des Podiums weggestellt, mit sichtbarer Körperspannung sitzt er vor der Partitur und hat sowohl Orchester als auch Chor mit einer Bewegung des kleinen Fingers im Griff.  Der erste Chorus „Herr, unser Herrscher“ zeichnet das überaus hohe Niveau des ganzen Abends vor: Messerscharf schießt der Sächsische Kammerchor seine Phrasen ab. In klagenden Koloraturen bleibt der Sopran präzise, exakt und vor allem die dynamischen Wechsel, das Auf- und Abschwellen der Töne hinterlassen Eindruck, genau wie die subtile und fließende Orchesterbegleitung. Schreier regiert teils mit harschen Bewegungen, teils mit harter Hand, wirft dem Chor die Einsätze hin oder entlockt ihm eine hauchzartes Piano.  

Tenor Martin Petzold eröffnet als Evangelist den Handlungsstrang. Der ehemalige Thomaner leitet versiert, mit großer Textverständlichkeit, durch die Geschichte, wandelt seine Intensität je nach Entwickelung, erzählt mal heftig, mal behutsam. Die Handlung erlangt durch seine klare Stimme Menschlichkeit und er lässt verschiedenste Figuren lebendig werden. Sogar das Lagerfeuer scheint zu knistern und zu flackern, wenn er Petrus‘ Erlebnisse vor dem Richthaus beschreibt.

Die erste Arie kommt von Altistin Marie Henriette Reinhold, Meisterklassenstudentin an der HMT. „Von der Stricken meiner Sünden“ präsentiert sie mit schokoladigdunklem Alt, setzt sich gegen das drohend schleichende Cello durch und lässt selbst Verzweiflung wohlig warm klingen. Eine emotionale Kehrtwende stellt die darauffolgende Sopranarie „Ich folge dir gleichfalls“ dar, gesungen von Viktoria Wilson. Leuchtende Freudestrahlt durch ihre voluminöse Höhe und die dunkler eingefärbter perlenden Koloraturen. Die Klangkonkurrenz von Sopran und grandiose Flötenmelodien tariert Schreier mit winzigen Anweisungen aus.

Immer mehr spitzt sich die Lage zu, bis schließlich die Kreuzigung durch Pilatus genehmigt und vollzogen wird. Der wird gesungen von Bass Lars Conrad, solide und standfest in den Rezitativen, warm und klar verständlich in den Bass-Arien und dem Austausch mit Engbert Junghanns, der sehr überzeugend den Christus singt.

Ein Höhepunkt ist am Ende die Tenorarie „Mein Herz, in dem die ganze Welt“. Patrick Grahl lässt mit viel Schmerz und metallischem Anklang die Trauer und Angst in seine durchweg klare Stimme fließen. Zwei Stunden höchste musikalische Qualität in der Thomaskirche – und damit ein Lichtblick in Fastenzeit und kaltem Februar!




Sächsische Zeitung
21.03.2017
Peter Schreier und ein neuer Mozart
Eigentlich will der Starmusiker nicht mehr arbeiten. Für die Staatskapelle kehrt er jedoch ans Pult zurück – eine von vielen Sternstunden in der Saison 2017/18.
Von Bernd Klempnow Gut, dass Peter Schreier so inkonsequent ist. Eigentlich hatte der Dresdner Starmusiker 2014 angekündigt, sich endgültig von den Bühnen zurückziehen zu wollen. „Ich bin ein so leidenschaftlicher Gärtner.“ Doch immer wieder lässt sich der einst weltweit als Tenor und Dirigent gefeierte Künstler überreden, zu musizieren. Er tat es schon mehrfach mit den Dresdner Philharmonikern. Im September wird der dann 82-Jährige wieder mal vor der Sächsischen Staatskapelle Dresden stehen. „Ich bin froh, dass wir mit Peter Schreier dieses Monument der Musikgeschichte bei uns haben“, sagte am Montag Chefdirigent Christian Thielemann bei der Präsentation der kommenden Spielzeit 2017/18. „Er hat mich in seinem Metier geprägt wie kaum ein anderer. Er ist für mich der Bach-, Mozart- und Lied-Interpret par excellence. Und ist trotzdem ein so bescheidener, feiner Mensch geblieben.“


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